Wie Picasso mit den Füßen malen

 In Deutschland gilt seit ein paar Jahren das Inklusionsgesetz:

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch die Möglichkeit erhalten soll, sich umfassend und gleichberechtigt an der Gesellschaft zu beteiligen. Die Teilhabe darf nicht von Faktoren wie individuellen Fähigkeiten, ethnischer Herkunft, Geschlecht oder Alter abhängen. Vielfalt wird als normal vorausgesetzt. Daher müssen Strukturen geschaffen werden, durch die sich alle Menschen unabhängig von unterschiedlichen Voraussetzungen einbringen können.

Das bedeutet: Alle Kinder in Bayern sollen in einem wohnortnahen Kindergarten betreut werden, unabhängig von ihren Fähigkeiten und Behinderungen.

Klingt ja erstmal ganz schön. Und doch brauchen Kinder mit drohender Behinderung mehr Unterstützung im Alltag, oder nicht?

Unser Ziel ist im Matthäuskindergarten Kinder mit höherem Unterstützungsbedarf im Alltag integriert zu fördern. Bei uns heißen diese Kinder „Kinder mit Eingliederungshilfe“; da die Eltern dazu Eingliederungshilfe beantragen müssen. Sie werden durch zusätzliches Personal im Alltag begleitet und unterstützt. In den Alltag integriert heißt zunächst einmal, dass es weder den betroffenen Kindern, noch den anderen Kindern auffallen soll, wer zusätzlich gefördert wird. Neben der Begleitung im Gruppenraum bietet das Zusätzliche Personal unterstützende gezielte Angebote an.

Es gibt Angebote am Vormittag zu denen Kinder mit Eingliederungshilfe und weitere Kinder eingeladen werden. Diese Angebote sind jedoch auf die Bedürfnisse der behinderten Kinder zugeschnitten.

Beispielsweise ist uns bewusst, dass gerade der Wochenstart für Kinder mit emotional-sozialen Entwicklungsverzögerungen oder Hochsensibilität sehr anstrengend ist. So gestalten wir gerne Reizarme-Angebote um 7:30 Uhr und machen am Montagvormittag Ausflüge ins Wäldchen oder zum Reitverein zum Pferd streicheln. Oder wir gehen auf die Suche nach Frühlingsboten. Einmal wöchentlich findet ein Bewegungsangebot statt, das sowohl motorische Fertigkeiten, als auch Selbstbewusstsein und soziale Kompetenzen stärkt.

Eine Physiotherapeutin, die ins Haus kam schlug ein „Fußpicasso“- Angebot vor. Es war erstaunlich, wie anstrengend es war mit den Füßen zu malen (Training der Rumpfmuskulatur) und wie sehr die Kinder durch die sensorischen Reize zur Ruhe kamen und wie ausdauernd sie bei der Sache waren. Das war also sehr entwicklungsfördernd für Selbstwahrnehmung, Konzentration und Ausdauer.